Die Art bringt bekanntlich auch eine beachtliche Dichte an Veranstaltungen, Events, Partys und ähnlichem mit sich, die in unserer beschaulichen Stadt im restlichen Jahr ihresgleichen sucht. Deshalb sollen an dieser Stelle auch die diversen Festivitäten im Dunstkreis der wichtigsten Kunstmesse der Welt zur Sprache kommen – und zwar in Form eines kleinen Rückblicks. Eingangs möchte ich allerdings gleich vorausschicken, dass die Auswahl ebenso subjektiv wie umfanglich bescheiden ist. Letzteres insbesondere dadurch begründet, dass der Schreibende zur arbeitenden Bevölkerung gehört und sich deshalb leider Gottes nicht sämtlich Nächte um die Ohren schlagen konnte.
Der Startschuss – mit Ausnahme diverser “einleitender Veranstaltung” wie etwa der Catwalk in Public Space, der bei seiner dritten Austragung leider keinen besonders guten Jahrgang einzog, und bezüglich Zuschauerinteresse und Modenschauqualität hinter vorangegangenen Jahren zurückblieb – bildet gemeinhin jeweils der Montag mit der Vernissage der Liste. Diese konnte von mehr Wetterglück profitieren als im Vorjahr. Dementsprechend verweilte das geneigte Kunstvolk bei Cüpli, Bier und Würsten in angenehm kosmopolitischer Athmossphäre in Scharen vor dem Sudhaus. An der Liste Party war ich im Gegensatz zum letzten Jahr zwar nicht zugegen, dem Vernehmen nach vermochte die gross angepriesene Sause im NT jedoch abermals keine Besuchermassen anzuziehen und sei eine ziemlich lahme Angelegenheit gewesen.
Am Dienstag Morgen ging es mit der (wiedermal verpassten) Pressekonferenz und der anschliessenden Art Preview weiter. Punkt elf (und keine Minute früher!) strömte das Kunstvolk in die Messehallen. Die Promidichte war heuer leider weniger spektakulär als im letzten Jahr, wobei die wenigen Anwesenden von uns konsequent verpasst wurden. Im Gegensatz dazu nahm die Dichte an Besuchern bereits nach einer Stunde bedrohliche Züge an, woraufhin wir uns bald wieder vom Ort des Geschehens entfernten. Am Abend besuchte ich mit einem befreundeten Künstler schliesslich das Opening des New Jerseyy an der Hünigerstrasse, wo Robert Pruitt seinen (spärlichen) Holy Crap präsentierte. Was als gemütliches Sit-in in beschaulichem Rahmen begann, entwickelte sich im Verlaufe des Abends zu einer Vollversammlung der Basler Jungkünstlerszene inklusive gut besuchtem Konzärtli mit Boxen-Truck und Band-Performance auf dem Trottoir vor der Galerie. Leider konnten wir nicht mehr abwarten wie lange die Basler Polizei Zeit liess, um dem Treiben ein Ende zu setzen, weil wir noch zur Tony Wüthrich Party im City Beach wollten. Und ja, was soll ich sagen. Natürlich waren die Erwartungen gering, aber was sich uns auf dem Dach des Messeparkhauses präsentierte war nichts weniger als das materialisierte Party-Grauen. Aufgeblasene Möchtegern-Schnösel in DJ Antoine-Kostümen versuchten so zu tun, als wären Sie total mondän und hipp, sahen aber trotzdem alle genauso aus, wie jedes Wochende im Atlantis (oder am selben Ort). Auch die Invitation-only-Policy führte höchstens zu einer falsch verstandenen Pseudo-Exklusivität. Jegliche (internationale) Kunstmenschen oder sonstige Art-Hippsters blieben der Veranstaltung jedenfalls konsequent fern. Nicht einmal Gratis-Drinks halfen, um die dröge Veranstaltung einigermassen erträglich zu saufen. Und so wurde einem wiedermal gewahr, weshalb es wohl die richtige Entscheidung war, die offizielle Art-Party sterben zu lassen.
Mittwoch war Pause. Den Donnerstag widmete ich dann dem Besuch der (offiziellen) Scope Party in der Kaserne, obwohl die eigentliche Hippieshit-Sause im Hafen stieg und der neue Posh-Schuppen (“nicht für geizige Basler sondern für weltoffene Menschen”, ich komme noch darauf zurück) Namens “Coming Home” für das gemeine Volk seine Tore öffnete. Das Wetter und der Umstand, am nächsten Morgen wieder um viertel vor Sechs aus den Federn zu müssen, veranlassten mich aber, auf letztere beiden Optionen zu verzichten. Also Scope Party, Kaserne! Nun ja, was gibt es zu sagen: Basler Band (gut: Sheila she Loves you konnten die Vorschusslorbeeren bei meinem ersten persönlichen Hearing jedenfalls bestätigen), Basler Teenies…eigentlich so wie immer in der Kaserne, nur gratis! War wohl ganz okay (für jüngere Semster jedenfalls) aber halt nicht besonders arty. Na ja, q. e. d. könnte man sagen. Immerhin kam ich so zu einigermassen christlicher (oder besser puritanischer) Stunde wieder in die Heia.
Am Freitag stand schliesslich der besagte neue Club Coming Home auf der Agenda. Vor der Cargo machte vor Mitternacht das Gerücht die Runde, der Club sei bereits derart voll, dass niemand mehr reingelassen werde. Das Gerücht bestätigte sich allerdings nicht. Zu voll war der Club jedenfalls nicht. Das Gerücht kam wohl eher daher, dass die Türsteher trotz (oder gerade wegen?) dem Gratiseintritt eine merkwürdige Selektionspolitik verfolgten. Dies sollte offenbar den Nimbus als exklusive Adresse stärken – oder so! jedenfalls fanden sich im Verlaufe des Abends immer wieder einige Art-Hipsters und Modelbuben vor der Tür wieder: “Du kumst hier nicht rein”! Na dann. Drinnen präsentierte sich der Club als Mischung zwischen leicht überdesignter Lounge (oben) und warehouseigem Technoschuppen (Keller). Ich fands durchaus ansprechend, auch von den Leuten her ganz gut, jedenfalls deutlich weniger Schlimm als ob der angedrohten und teilweise vollzogenen Einlasspolitik zu befürchten war. Etwas ärgerlich war die Preisgestaltung (Weisswein 12.-, Bier 8.-, Gschprützte 18.-, Vodka Tonic 18.-). Auch die halbgare VIP Sektion bei der Bar, gekennzeichnet durch 5 Zentimeter hohe Podestli (gön si bitte abe!) gleich bei der Bar war ziemlich überflüssig. Schade war, dass die angekündigte Peaches nicht auftauchte. Jedenfalls nicht, dass ich es bemerkt hätte (vielleicht hat sie der Türsteher ja nicht reingelassen?). Jetzt bleibt nur abzuwarten, ob die Performance der neuen Location dergestalt war, dass der Besitzer Markus Weisskopf einen weiteren Betrieb in Erwägung zieht. We will see…